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Politik

„Zwei Asylbewerber in Kestert verabschiedet“

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Diese erstaunliche Überschrift fand ich einem unspektakulären Medium, nämlich im Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Loreley. „Verabschieden“ tut man liebe Gäste oder verdiente langjährige Mitarbeiter.

Zeitungsartikel mit Bild

Aus dem Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde Loreley, Nr.32/2015.

In Kestert, einem Nachbardorf von Sankt Goarshausen, aber geht es um zwei Asylbewerber aus dem Kosovo, die erst im März gekommen waren. In dem Artikel im Gemeindeblatt heißt es „Die Asylanträge der beiden waren abgelehnt worden. Die beiden hatten sich seit März gut eingelebt und integriert. Sie leisteten engagiert gemeinnützige Arbeit, bemühten sich um die deutsche Sprache, nahmen an Sportveranstaltungen teil und waren auch bei weiteren Dorfaktivitäten gern gesehene Gäste.“
Auf dem Foto zum Artikel sieht man den Gemeindearbeiter, die Deutschlehrerin und den Ersten Beigeordneten (in Vertretung des Bürgermeisters), die die beiden abgelehnten Asylbewerber in ihre Mitte genommen haben, vor dem Rathaus. Das ist rührend und außerdem symptomatisch für einen Aspekt, der bei der Asyldebatte oft zu kurz kommt: Zuwanderer sind in vielen kleinen Orten willkommen. Sie füllen die sich lichtenden Reihen der Einheimischen auf, sind dankbar, nicht anspruchsvoll, oft hilfsbereit und nicht wählerisch, wenn es um Arbeit oder Unterkunft geht.
Sie können auch in der Provinz froh sein, brauchen kein Opernhaus und keinen coolen Club, denn dazu fehlt ihnen eh das Geld.

Es hätte so schön sein können

„Beide hatten hier Arbeits- oder Ausbildungsplätze angeboten bekommen“, heißt es über die beiden Asylbewerber, die Kestert wieder verlassen mussten. Es hätte also alles gut werden können. Aber dazu ist das Asylrecht nicht da.
Ich bin sicher, solche Situationen gibt es zur Zeit in Deutschland tausendfach. Nicht alle Betroffenen leisten öffentlich Trauerarbeit, wie die Kesterter. Aber Sympathie und Solidarität gibt es vielerorts. In Sankt Goarshausen haben sich einige für einen syrischen Flüchtling eingesetzt, der nach Ungarn abgeschoben werden sollte. Er war auf dem Weg nach Deutschland in Ungarn von der Polizei festgehalten und misshandelt worden. Doch aufgrund der Dublin-III-Regel sollte er genau dorthin abgeschoben werden.

Manche freuen sich über jeden Flüchtling, der das Land wieder verlassen muss. Aber gerade den neuen Bundesländern wird diese Abschottungsmentalität und Feindseligkeit kein Glück bringen.
Ich bin froh, dass bei man bei uns die Chancen sieht und sich auf die neuen Mitmenschen einlässt. In einem der nächsten Beiträge werde ich über unsere Flüchtlingshilfe in Sankt Goarshausen berichten. In den letzten Monaten hat sich viel getan. Wir haben schon einiges erreicht, aber es es sind noch weitere Hindernisse zu überwinden, bis unsere Neuen wirklich Fuß gefasst haben.

Vier junge Männer in Feuerwehr-Montur vor Einsatzwagen

Auch im Rheingau freut sich die Freiwillige Feuerwehr über Verstärkung. Der Wehrführer der Winkler Feuerwehr hat sogar angeboten, seinen Kollegen in Sankt Goarshausen persönlich über die Erfahrungen mit den Flüchtlingen zu berichten.

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