Altbausanierung Haustechnik

Mein Haus mit Nasenlöchern

Kommentare 5

Zugegeben, der Titel ist stark beschönigend. Seit gestern klaffen zwei kreisrunde Löcher in der Fassade (und zwei weitere auf der Rückseite des Hauses, aber die fallen weniger auf). Das ist – nun ja – ungewöhnlich.

rundes Loch in Fassade oberhalb einer Fensterreihe

Erklärungsbedürftig?

Schlafzimmer und Bad bekommenen eine automatische Belüftung, und zwar eine mit Wärmerückgewinnung. Mir war allerdings nicht klar, dass die Öffnungen für die Lüfter so groß sein würden. Zwar hätte ich es wissen müssen, denn ich habe die Geräte selbst bestellt. Aber ich hatte es mir nicht so klar vor Augen gehalten. Und das war wohl auch gut so, sonst wäre mir die Entscheidung noch schwerer gefallen.
Gestern haben die Elektriker vier Kernbohrungen gemacht.

2 Männer arbeiten mit großer Bohrmaschine

Kernbohrung XL

Die Ventilatoren, die jetzt bei uns im Schuppen auf den Einbau warten, haben einen Durchmesser von 20 Zentimetern und werden direkt in diese Wandöffnungen eingesetzt. Jeder enthält einen Wärmetauscher, der die Wärme aus der ausströmenden Luft speichert und sie der einströmenden frischen Luft wieder zuführt.
Weil das Thema Belüftung wichtig und interessant ist, erkläre ich es etwas ausführlicher.

Automatische Belüftung ist auf dem Vormarsch

In besonders energiesparend geplanten Neubauten läuft das ganze meist über eine zentrale Belüftungsanlage. Die ist im Keller oder einem Haustechnikraum untergebracht und die zu belüftenden Räume – sinnvollerweise alle Wohn- und Schlafräume sowie Bäder, WCs und die Küche – müssen durch Lüftungskanäle mit dem zentrale Belüfter verbunden werden. Theoretisch hätte ich das in meinem Haus auch machen können, denn die Räume sind hoch genug, um die Decken abzuhängen und sämtliche Lüftungskanäle darin zu verstecken. Aber wo hätte der zentrale Belüfter und Wärmetauscher stehen sollen? – Im Keller nicht wegen der Hochwassergefahr, und oben ist der Platz knapp. Zudem ist im Erdgeschoss gar keine zusätzliche Belüftung nötig. Denn die alte Haustür, selbst wenn ich sie aufarbeiten lasse, und das spillerige Türchen zum Keller werden immer einen gewissen Luftaustausch zulassen. Also ist das Erdgeschoss frischluftmäßig schon mal „versorgt“. Anders ist es in den beiden oberen Stockwerken. Die neuen Fenster und das frisch gedämmte und gedeckte Dach lassen keine Luft durch. Und durch die großen Fenster in der Gaube wird sich im Sommer die Hitze im Dachgeschoss stauen – auch trotz der geplanten Jalousie. Deshalb habe ich mich für die „kleine“ Lösung mit den dezentralen Belüftern entschieden.

Gibt es denn nicht Fenster zum Lüften?

Natürlich können wir jederzeit die Fenster öffnen. Aber bei offenen Fenstern schlafen? Ob wir ruhe-verwöhnten Taunus-Bewohner uns an die Verkehrsgeräusche im Rheintal gewöhnen werden? Der Vorteil der Belüfter soll sein, dass sie fast geräuschlos arbeiten und die Außengeräusche abschirmen. Keinen Lärm, nur frische Luft reinholen und darüber hinaus die Wärme länger im Haus halten. Natürlich nur während der Heizperiode. Wird es draußen (zu) warm, kann man den Wärmespeicher ausschalten und durch überwiegend nächtliches Lüften die Temperatur im Haus niedrig halten.
Ob das alles so funktioniert? Ich bin gespannt. Ich habe zwar schon oft gehört, dass das eine super Sache ist. Aber mulmig war mir doch zumute, als die Löcher gebohrt wurden. Für den Elektriker ist das übrigens auch Neuland. In solchen Situationen trennt sich die Spreu vom Weizen. Ich kenne auch die Fraktion von Handwerkern, die sowas abschmettert: „Kenn ich nicht, mach ich nicht.“
Aber ich habe Glück. Danke an Thomas Schröder, der sich informiert, fortbildet und etwas ausführt, das (noch) abseits der Routine ist.

Zwei Männer, abgestellte Bohrmaschine und Bohrkern

Geschafft! Thomas Schröder, Simon Rein und der vierte Bohrkern (Pfeil)

Als nächstes wird er den Regler für die Belüftung im Treppenhaus installieren und die Kabel ziehen, die später die vier Belüfter mit dem Regler verbinden.
Empfohlen hatte mir das System Sandro Ferri, ein Architekt aus Bad Kreuznach, den ich bei meinem Dreh zum Tag der Architektur 2008 kennengelernt hatte. Am Telefon sagte er: „Das kannst du quasi selbst einbauen.“ Na ja, ich bin doch froh, dass es Profis machen.
Jetzt hoffe ich, dass ich die Fassade noch vor dem Winter überarbeiten lassen kann. Dann bekommen die Lüfter weiße Blenden, die auf dem dann helleren Untergrund weniger herausstechen.

Fassade mit noch unverputzter Gaube und zwei runden Löchern.

Grün ist die Hoffnung. Irgendwann wird die Fassade wieder schöner.

5 Kommentare

  1. Alexander Dröge sagt am 26. November 2014

    Ich bin auf Ihre Erfahrungen mit der Lüftung gespannt. Bauen Sie auch das Hygrostat Modul mit ein?

    • Hallo Herr Dröge,
      Hygrostat sorgt dafür, dass sich der Lüfter bei hoher Luftfeuchtigkeit einschaltet und wird ausschließlich mit einem Abluftsystem kombiniert . Mir geht es eher um grundsätzliche Belüftung mit Wärmerückgewinnung, Feuchtigkeit wird in den oberen Stockwerken kein Problem sein, deshalb: nein, kein Hygrostat.

  2. Pingback: Ob sich Dämmen lohnt? – Aber hallo! | Häuser Menschen Abenteuer

  3. Pingback: Innendämmung | Häuser Menschen Abenteuer

  4. Pingback: Markise mit „Reißverschluss“ | Häuser Menschen Abenteuer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.