Rhein Sankt Goarshausen

13. Januar 2011: Die Havarie der Waldhof

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Die Loreley macht ihrem düsteren Mythos Ehre

Genau drei Jahre ist es her, dass der mit Schwefelsäure beladene Tanker Waldhof vor der Loreley kenterte. Zwei Mitglieder der Besatzung kamen bei dem Unglück ums Leben. Einige meiner heutigen Bekannten in Sankt Goarshausen haben Lotsen oder Schiffer unter ihren Vorfahren und waren durch diesen Unfall sehr bedrückt. Der Rhein war fast fünf Wochen lang für die Schifffahrt gesperrt. Denn wegen der gefährlichen Ladung und des Hochwassers war die Bergung des verunglückten Tankers extrem schwierig.

Havarierter Tanker Waldhof in den Fluten des Rheins vor Sankt Goarshausen

Zwei Tage nach dem Unglück. Der gekenterte Tanker Waldhof vor Sankt Goarshausen. Der Rhein führt Hochwasser

Katastrophentouristen sind auf dem Foto am rechten Rand auf der B 42 zu erkennen. Und das Foto selbst ist von einer Katastrophentouristin geschossen: Am 15. und am 23. Januar sind Stefan und ich auf die Loreley gewandert, um die Situation von oben zu betrachten. (Als ich diese Fotos aufnahm, war mir Sankt Goarshausen noch fremd und gleichgültig, und es war nicht absehbar, dass sich das so grundlegend ändern würde.)
Die Havarie war allerdings ein Debakel mit weitreichenden Auswirkungen. Ich erinnere mich an den Anblick der vielen Schiffe, die bis nach Mainz lagen, weil sie die Unfallstelle nicht passieren durften. Bis zu 400 Schiffe mussten laut diesem Artikel der Rhein-Zeitung warten.

Zwei Schwimmkräne flankieren gekenterten Tanker vor Sankt Goarshausen

23. Januar 2011: Schwimmkräne sichern die havarierte Waldhof. Oberhalb ein Frachtschiff, das von einem kleinen Schlepper zu Berg (= flussaufwärts) gezogen wird. Um Turbulenzen zu vermeiden, durfte kein größeres Schiff die Unfallstelle mit eigener Motorkraft passieren.

Der gesamtwirtschaftliche Schaden soll über 50 Millionen Euro betragen haben.
Hergang und Ursache des Unglücks schildert die Bundesanstalt für Wasserbau detailliert und nüchtern. Dramatisch dagegen die Darstellung im ZDF. Hier hat man die Beteiligten dazu gebracht, die Vorgänge der Unglücksnacht nachzuspielen, und hat daraus einen wisschenschaftlich unterfütterten Actionclip produziert.
Übrigens ist auf den Fotos oben (hoffentlich, nach einigem Suchen sicher) der Häusener Kran zu erkennen, der laut Wasser- und Schifffahrsamt dem Bau des angeblich dringend benötigten Leichterplatzes im Weg steht. Doch wäre bei der Waldhof-Havarie der Leichterplatz – obwohl nur einen Steinwurf entfernt – überhaupt nicht von Nutzen gewesen. Und auch seitdem hat es keinen Unfall gegeben, bei dem er notwendig geworden wäre. Toi, toi, toi.

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